Heise 27.05.2026
07:30 Uhr

heise+ | Immer stärkere Motoren: Riskiert die E-Bike-Industrie ihre Regulierung?


Das E-Bike ist eine Erfolgsgeschichte. Doch immer stärkere Motoren könnten die EU auf den Plan rufen. Bleibt das E-Bike rechtlich dem Fahrrad gleichgestellt?

heise+ | Immer stärkere Motoren: Riskiert die E-Bike-Industrie ihre Regulierung?

Fahrräder im Wert von fast 6 Milliarden Euro wurden 2025 in Deutschland verkauft. Weit über 80 Prozent des Umsatzes entfielen auf E-Bikes, die klassische Fahrräder in den Verkaufsstatistiken zahlenmäßig längst ausgestochen haben. Die Fahrradbranche in Deutschland wäre in ihrer jetzigen Form ohne E-Bikes undenkbar. Und doch hat sich in der Industrie ein Streit um die Frage entzündet: Was macht ein E-Bike zu einem Fahrrad?

Auf den ersten Blick ist diese Frage rechtlich klar geregelt: Die Motoren in Pedelecs oder EPACs (Electrically Power Assisted Cycles), wie die umgangssprachlich E-Bikes genannten Fahrzeuge in Regulierungstexten heißen, dürfen nur beim Treten unterstützen, und zwar bis 25 km/h und mit einer maximalen Nenndauerleistung von 250 Watt. Dann sind sie in der EU rechtlich gesehen Fahrräder.

Schnellere und stärkere S-Pedelecs dagegen unterliegen einer strengeren Regulierung (EU-Verordnung 168/2013). Für sie bedarf es einer Typgenehmigung und eines Kennzeichens, man braucht einen Führerschein (AM) und eine Versicherung, man muss einen Helm tragen und darf keine Radwege damit befahren. Kein Wunder, dass Pedelecs ungleich beliebter sind als S-Pedelecs. Nach Zahlen des Umweltbundesamts sind etwa 99 Prozent der in Deutschland verkauften E-Bikes Pedelecs.